Montanablack & die Nordmänner

Der Buxtehuder Youtubestar sucht die Nähe zu Nazirockern

edit: mittlerweile haben wir noch einen weiteren Artikel veröffentlicht, welcher sich mit dem politischen Denken von Marcel “Montana Black” Eris auseinandersetzt

Marcel Eris alias Montanablack und die Nummer 2 der rechten Rocker Christian Buck

Marcel Eris, besser bekannt als Montanablack (ehemals Montanablack88), ist einer der größten Internetstars der Gamingszene. Bei seinen Millionen Fans und Zuschauern hat der Buxtehuder schon häufiger für Spekulationen gesorgt er sei dem rechten Spektrum zuzuordnen. So etwa wegen der 88 in seinem ursprünglichen Namen (Nazicode für Heil Hitler), besonders aber rassistischer Äußerungen in seinen Videos. Gleichzeitig vermarktet sich der Ex-Junkie als geläuterter Bad-Boy, welcher seinem zumeist jungendlichen Publikum nebenbei authentisch von falschen Pfaden holt. Rechts sei er natürlich nicht.

In den letzten Monaten wurden jedoch immer mehr Kontakte zu örtlichen Neonazis publik und zwar jenen vom Nordmänner MC Stade. Eben jene waren pikanterweise jüngst Ziel einer koordinierten Serie von Razzien, welche sich gegen ihre Verflechtungen mit dem Drogen- und Gewaltmileu richtete. Dieser Freundschaft des Teenieidols mit einem Haufen von Nazirockern widmet sich dieser Artikel.

Das folgende Foto zeigt Marcel Eris diesen August bei einem in Fantreffen in Buxtehude.

[Edit: In einer früheren Version des Artikels bemängelten wir die unkritische Berichterstattung des Tageblatts anhand des folgenden Fotos. In besagtem Artikel war jedoch ein anderes beigefügt, auf dem die Nordmänner nicht im Bild sind.]

Neben dem Youtuber Max “Adlersson” Herzberg sind auf dem Foto mehrere Rocker des Nordmänner MC zu erkennen, neben dem Sergeant at Arms Christian Buck vor allem Marc Steinweg. Dieser sticht rechts neben ihm deutlich heraus, gewandet in einen knallroten Jogginganzug der wohl bekanntesten Neonazimarke “Thor Steinar”.

vorne: 1. v.l. Max “Adlersson” Herzberg, 4. v.l. Marcel “Montanablack” Eris, 5. v.l. Marc Steinweg (im roten Thor Steinar-Anzug), Prospect der Nordmänner, 2. Reihe Mitte Giggsen, rechts dahinter Christan Buck (Sergeant at Arms der Nordmänner)

Nazirocker als Peergroup

Dass dies kein Versehen oder Einzelfall war belegen die folgenden Fotos, welche zeigen, dass es sich bei den Nordmännern erstens nicht nur im Einzelfall um Neonazis handelt und zweitens, diese für Marcel Eris zum engsten Freundeskreis zählen, zu dem ganz offen reger Kontakt gepflegt wird.

Nordmänner MC – Nazis damals wie heute

Dass quasi alle Nordmänner regelmäßig mit Bekleidungsmarken der Naziszene tragen, zeigt deren Verbundenheit mit der neonazistischen Szene. Dies war bereits in der Vergangenheit auch bei anderen Chaptern des Nordmänner MC zu beobachten. So war das Gründungschapter in Bergen/Dümme (NDS) schon 2003 das Ziel von Razzien. Auch die originale Nordmänner Crew war als stramm rechts bekannt. Anders als bei den Durchsuchungen bei den Stader Nazirockern, förderten die Polizist*innen damals Waffen jedoch nicht nur vereinzelt zu Tage. Die Ausbeute damals: “Ein Fund von rund 213 Waffen, darunter schwere Maschinengewehre, Maschinen­pisto­len und Granaten sowie eine Panzer­faust.” Die Wohnung des damaligen Nordmännerpräsidenten sei zudem mit Nazidevotionalien gespickt gewesen und die Gruppe hielt Sonnenwendfeste mit Neonaziskins ab.

Extrem rechtes Gewaltmilieu an der Unterelbe

Eine Marke die immer wieder auffällt ist “Pro Violence – Streetsport”. Auf den obigen Bildern tragen sowohl die Rocker um Christian Buck, als auch sonstige enge Freunde (siehe “Giggsen”) von Marcel “Monte” Eris diese Neonazimarke zur Schau. Über deren Hintergrund haben wir schon in unserem letzten Artikel zum Stader Tattoostudio Skull Ink Art berichtet und es erscheint naheliegend, dass sich genau dort damit eingedeckt wurde. Ebenso wie der Haufen um Ricardo Meyer propagieren sie eine Ideologie der Härte, Männlichkeit und Gewaltbereitschaft. Sie sind Paradebeispiel der Mischszene von Neonazis, Rockern und sonstigem Gewaltmilieu. Was bei Skull Ink Art propagiert wird bilden sie ab.

Dass der NMC nicht nur irgendwelche Möchtegern-Gangster sind zeigt wer da hinter steht: Die Hells Angels. Diese haben schon vor geraumer Zeit den Raum Stade zur “Key Area” erklärt. Die Nordmänner um Buck wurden in diesem Zuge anscheinend als Statthalter der Angels aufgebaut. Sie repräsentieren Rot-Weiß und sichern deren Ansprüche in dem für die Angels so relevanten Revier, fallen im provinziellen Stade und beschaulichen Buxtehude weitaus weniger auf als die berüchtigen “Höllenengel” es würden.

Christian Buck vor zwei Jahren mit dem Präsidenten des offiziell aufgelösten Hells Angels Chapter Hannover

In Jugend- und Popkultur sind Rocker seit Jahren total en Vogue, dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass “1%”, gerade solche vom Schlag der Hells Angels absolute Menschenfeinde sind. Erpressung, Mord, Zwangsprostitution, Menschenhandel – das sind ihre Geschäfte. Das ganze wird gerahmt von archaischen Männlichkeitsvorstellungen, welche das wichtigste Bindeglied zu faschistischen Strukturen darstellen.

Montanablack und Adlersson – Freundschaft mit “stolzen Nazis”

Eris’ Rockerfreunde lassen sich vor allem über ihre Szenekleidung dem rechten Milieu zuordnen, doch posierte er auf dem Fantreffen auch mit einem weiteren Youtuber, welcher ganz klar als Akteur der rechten Szene  zu benennen ist. Der ebenfalls auf dem Bild zu sehende Adlersson (bürgerlich Max Herzberg) aus Dresden fällt immer wieder durch seinen rassistischen, antisemitischen und sexistischen Sprachgebrauch auf. Der Zeitung Welt, die als erstes über ihn berichteten, sagte er:” Ein ganz kleines bisschen Hitler, das tut doch keinem weh?!” Alles nur “Spaß” und im Osten ganz normal, wie er selber sagt. Ein genaueres Hinsehen zeigt allerdings etwas komplett anderes. So zeigt er sich immer wieder als Symphatisant der faschistischen “Identitären Bewegung” und in einer Puls- Reportage von 2015 war zu sehen, wie PEGIDA Demonstration unterwegs ist.

Eris’ Youtuberfreund Max “Adlersson” Herzberg (l.) zusammen mit dem Identitären Faschisten Alexander “Malenki” Kleine

Außerdem berichten Dresdner Antifas, dass er in einer Gruppe Hooligans zu sehen war, aus der das Postplatzkonzert, an PEGIDAs Geburstag, angegriffen wurde. Da wundert es auch wenig, dass er in dem Holocaust relativierenden Video “Der Honigcaust feat. Brain” zusammen mit Patrick Gamel Singh, einem der Angreifer auf den Leipziger Stadtteil Connewitz im Januar 2016, zu sehen ist. Zu guter Letzt lohnt noch ein Blick in die Dokumentation “Lord of the Toys”, die Max Herzberg und seine Freunde über einen längeren Zeitraum begleitet haben. In dieser Doku erzählt eine Freundin, dass sie mit der neonazistischen Kleinpartei “Der Dritte Weg” sympathisiere. Eben diese Freundin zettelt auf dem Oktoberfest eine Schlägerei durch ihre rassistischen Kommentare an. Im Zuge dieser Auseinandersetzung brüllt Max Herzberg: “Wir sind Nazis und stolz drauf! Fickt euch selbst, Ihr Fotzen!”

Auf Youtube hat sich Montanablack schon häufiger als Fan der “Arbeit” von Herzberg gezeigt. Punkt der Empörung für Eris’: Nicht Herzbergs Haltung und Aussagen, sondern der daraus resultierende Nazivorwurf.

Es ist besorgniserregend, dass Herzberg seinen über 100000 Abonnenten (“AdlersonPictures”) Rassismus und Antisemitsmus als witzig und Sympathien für faschistische Organisationen als “normal” verkauft. Noch viel gefährlicher aber wird es, wenn Eris als einer der größten Internetstars im deutschsprachigen Raum diesem eine Bühne bietet und relativiert. Das Internet, besonders die Gamingszene ist schon seit langem von rechten Menschenfeinden dominiert (siehe pr0gramm oder Steam). Als Montanablack wirkt Marcel Eris dabei mit menschenfeindliche bis faschistische Positionen zu normalisieren.

Wer mit Neonazis und Faschistenfreunden chillt und diese auch noch in Schutz nimmt, darf kein Teenieidol sein.

“Dann bin ich halt Faschist!”

Skull Ink Art – Tattoostudio mit extrem Rechten Bezügen in Stade eröffnet

Wer in der Stader Altstadt unterwegs ist, findet seit einigen Monaten in der Sattelmacherstraße 8 das Tattoo- und Piercingstudio “Skull Ink Art“. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein harmlosen Anlaufpunkt für an Körperkunst Interessierte, denn sowohl das Team als auch die verkauften Produkte weisen eindeutige Bezüge zur gewaltbereiten/organisierten Neonazisszene, wie auch dem italienischen Faschismus auf.

Das Geschäft ist zentral gelegen: In der Gasse vom Neuen Pferdemarkt Richtung Rathaus führt eine Treppe zum Laden hinunter. Von außen ist dieser schlecht einsehbar, nur das Firmenlogo weist auf das Tattoostudio hin. In der lokalen Tattooszene sind sie trotzdem dabei sich einen Namen zu machen, wie diverse fertiggestelle Werke in den sozialen Medien zeigen. Dort, auf Facebook, Pinterest und Co. sind die Bezüge in die extrem rechte Szene auch sehr viel deutlicher zu erkennen. So scheint es auch kein Zufall zu sein, dass Skull Ink Art am 20. April, Hitlers Geburstag, eröffnet wurde.

Als Besitzerin und Geschäftsführerin ist eine Heidi Meyer beim Amtsgericht Tostedt eingetragen, doch im Geschäftsalltag scheint dies eher ihr Sohn Ricardo Meyer zu sein. Ricardo teilt auf Facebook allerhand extrem rechtes Gedankegut sowie verschwörungstheoretische Inhalte.

(Mit dem “Volkstod” ist der Niedergang einer ethisch definierten Abstammungsgemeinschaft der Deutschen gemein. Der Begriff stammt aus der Neonaziszene.)

(auf “Kla.tv” sind auch wüste antisemitsche Pamphlete über “die Rothschilds” und die “internationale Hochfinanz” zu finden)

Desweiteren gefallen ihm auf Facebook diverse AfD- Seiten und Politiker, Neonazimarken wie Pro Violence und Label 23 und dazu extrem rechte Seiten mit Namen wie “Volk wach auf”. Er selber trägt auch gerne die Marke Yakuza, dessen Labelgründer dem Umfeld der Neonazi-Bruderschaft “Hammerskins” entstammt und in vielen rechten Szeneläden zum Sortiment gehört (trotz sporadischer Distanzierungsbemühungen). Ebenso stolz posiert er zudem mit Kleidung von “Thor Steinar”, der wohl bekanntesten Neonazimarke.

(Ricardo Meyer mit “Yakuza”-Shirt)

Aber Ricardo ist nicht der einzige im Team, der durch extrem rechte Bezüge auffällt. Der “Tattoo-Artist” Giovanni Zappala bzw. John Abbay (Künstlername) sticht ebenso heraus. Er zeigt sich auf Facebook offen als Fan des italienischen Faschismus. So scheint sein Logo von dem Reichsadler inspiriert zu sein und ihm gefallen die rechtsextreme Partei Forza Nuova, Matteo Salvini und Alessandra Mussolini, Enkelin von Benito Mussolini. Auf Facebook ist er sehr aktiv und teilt am laufenden Band Beiträge mit völkisch-faschistischen Bezügen. Auch mit einem klaren Bekenntnis zum Faschismus hat er offenbar kein Problem. So schließt er einen Post von sich mit den Worten:

“Und wenn sie meinen, dass bedeutet Faschist zu, dann bin ich halt Faschist, aber sie sind noch schlimmer, weil sie nicht mehr wissen, wer sie sind!”

(Defend Europe ist der Name verschiedener aktueller Kampagnen, sowohl aus dem neofaschistischen Spektrum der “Identitären”, sowie der klassischen Neonaziszene)

Doch nicht nur das Team zeichnet sich durch faschistische bis neonazistische Bezüge aus, auch die im Laden verkaufte, sowie im Netz beworbene Kleidung kommt einem Bekenntnis zum gewalttätigsten Teil der Neonaziszene gleich.

So etwa die Marke “Label 23 – Boxing Connection”: Wie oben bereits ausgeführt, eine Marke von Neoneonazis für Neonazis und andere Gewaltfetischisten. Sie entstammt der rechten cottbuser Hooliganszene und ließ zB. 2016 russische Neonazis für sich modeln.

 

Außerdem das Modelabel “ProViolence Streetsport“. Wie der Name schon sagt, zeichnen sich die Motive und Slogans durch brachiale Gewaltdarstellungen aus. Die Anbindung an die Neonaziszene ist hier noch klarer. So stammt der Labelgründer aus dem verbotenen “Blood & Honour”-Netzwerk, es werden Nazicodes wie HH/88 verwendet (Heil Hitler) und der bekannte Neonazikampfsportler Frank Kortz gesponsert. Dieser trägt neben diversen Hakenkreuzen sogar das Firmenlogo auf der Haut tattowiert. Dass dieser zusätzlich als Rocker mit Hells Angels Bezügen bekannt ist, passt da hervorragend ins Bild. Auch “Pro Violence” zeigt sich durch diverse Posts Hells Angels nah.

Bei Skull ink Art tritt die gefährliche Mischszene aus Rockern, Neonazis und Kampfsportlern offen zu Tage. Verbindenes Glied sind dabei eine krasse Gewaltverherrlichung, archaische Männlichkeitsideale, sowie Härte und Unnachgiebigkeit gegenüber dem Gegner. Auch wenn die Neonazis und Faschisten (etwa Ricardo Meyer und Giovanni Zappala) sich in diesen Kontexten mit völkisch-rassistischem Gedankengut zurückhalten (wie es etwa auch die verkauften Modelabels tun) darf nicht außer Acht gelassen werden, dass so eine propagierte soldatische Männlichkeit stets Grundpfeiler faschistischer bis neonazistischer Ideologie war. In dem übergeordneten Gewaltmilieu mögen sie sich damit zwar nicht sonderlich hervortun, doch ist damit die Selbstetikettierung als “unpolitisch” mehr als fadenscheinig, welche sich dieses kriminelle Milieu zumeist gibt.

 

Unserer Meinung nach kann es nicht sein, dass ein Tattoostudio mit solch klaren Bezügen, mitten in der Innenstadt von Stade, ungestört und ohne Widerspruch eröffnen kann. Menschen in Stade sollten es sich lieber zweimal überlegen ob sie sich im Skull Ink Art tättowieren lassen wollen oder ihren Körperschmuck nicht doch lieber woanders holen!